AUENFLÜGEL

Projekttyp: Wohnungsbau

 

Standort: Berlin

 

Zeitraum: 2014

 

Status: im Bau

Falkenberger Aue

 

Im Rahmen der Bebauung nördlich der Ahrensfelder Chaussee entsteht in den nächsten Jahren am Berliner Stadtrand eine Siedlung, die in rund 750 Hauseinheiten Raum für bis zu 2200 Menschen bieten wird.

 

Genius Loci und das Zusammenführen von Natur und Kultur

Während des Entwurfsprozesses war es zuallererst von Bedeutung die besonderen Qualitäten des Ortes zu erforschen. Da der vorhandene Grünraum, die Nähe zum Gehrensee und zu einer öffentlichen Parkanlage die Stärken des Ortes ausmachen, wurden diese natürlichen Kräfte maßgeblich in den Entwurf mit einbezogen.
Doch obwohl der fast schon ländliche Charakter am Rande der Stadt die Gestaltung stark beeinflusst hat, musste der Entwurf für die Siedlung den Ort gleichsam transformieren und eigene Artefakte setzen, um eine originäre Identität zu schaffen.

 

So entsteht aus der Verstärkung des vorhandenen Potentials und durch die Ergänzung um ein klares städtebauliches Bild schließlich ein Wohnviertel, das den Balanceakt zwischen Kultur und Natur meistert. Die Qualitäten des Ortes werden nicht nur aufgegriffen, sondern im Sinne eines identitätsstiftenden Entwurfs genutzt, abgewandelt und verstärkt.

 

Trotz der vorgegebenen baulichen Dichte sind die Auenflügel sehr grün und bilden durch die kreisförmige Anordnung dennoch eine maximale Oberfläche zum Naturraum ab. Das Konzept ordnet sich indessen in der Tradition des Gartenstadtgedankens Bruno Tauts ein, einem Bereich, in dem seit über 70 Jahren architektonisch kaum etwas passiert ist. Der Entwurf für die Auenflügel schließt an diese frühmoderne Tradition an, um somit dem ästhetischen Mangel in den Vorstädten entgegenzuwirken.
Hierfür stehen klug angelegte und suggestiv inszenierte Gemeinschaftsräume und Wegesysteme sowie ein nachhaltiges und natürlichen Prozessen angepasstes Grünkonzept. Da die Bepflanzung der gesamten Fläche bereits vor Baubeginn starten kann, dient sie als Zugpferd, Marketingtool und „Negativraum“ zum langsam wachsenden „Positivraum“ der Häuser.

Haustypologien Auenflügel: Einheit durch Vielfalt

 

Die städtebauliche Figur gestaltet sich auf augenfällige Weise innerhalb von zwei Flügeln mit klarer Rand- und Kernbebauung. Die Hausgruppen gliedern sich typologisch in Rand-, Feld- und Platzbebauung. Da die Gebäude an der Randbebauung gleichsam die Stadtkante bilden, wurden sie vornehmlich zum Garten hin entwickelt. Neben dieser starken Verzahnung mit den Grünflächen ins Innere des Auenflügels, gibt es vor jeden Haus kleine Vorgärten, die vor Blicken schützen. Auch im Inneren sorgen Split-level Grundrisse für möglichst viel Privatheit. Gleichzeitig gelangt Tageslicht über Patios tief hinein ins Innere der Häuser.

 

Die Feldbebauung im Inneren der Flügel zeichnet sich vor allem durch die gestalterische Gegenüberstellung von Regelmäßigkeit und Individualität aus. Entsprechend des Blaise Pascal Zitats zu Vielfalt und Einheit werden symmetrische und asymmetrische Motive aufgegriffen, die im Gesamtmotiv ein zusammenhängendes Quartiersbild ergeben („Vielfalt, die sich nicht zur Einheit ordnet, ist Verwirrung. Einheit, die sich nicht zur Vielfalt gliedert, ist Tyrannei“).
Dementsprechend wurde unter anderem für die Dachfigur ein modulares System entwickelt, das variable Flächenerweiterungen ermöglicht. Diese unterschiedlichen Aufbauten sorgen schließlich für ein gewachsenes Erscheinungsbild der Siedlung. Auf den privaten Terrassen ergeben sich zudem neue Blickachsen.

 

Die Bebauung am Platz entspricht typologisch weitestgehend der Feldbebauung, verkörpert hingegen aufgrund ihrer zentralen Lage eher einen urbanen Charakter.
Ein weiteres städtebauliches Merkmal der Siedlung Auenflügel sind die Wegesequenzen. Insbesondere die Schichtungen der Durchwegung lassen eine Inbesitznahme des urbanen Raumes durch die Bewohner zu. Zum einen besteht eine notwendige Straßenerschließung für PKWs, die allerdings nur aus 30km/h-Zonen und Spielstraßen besteht. Das gesamte Viertel ist außerdem von einem Netzwerk aus Wegen durchzogen, das eine Erschließung des Areals entweder fußläufig oder mit dem Fahrrad ermöglicht. Zuletzt besteht das Wegesystem aus den sogenannten „Mistwegen“, kleinen Pfaden, die ländliche Kommunikations- oder Rückzugsorte bieten.

 

Die Straßen, Wege und Pfade bringen das gesamte Viertel zusammen. Dabei durchbricht die Flussmatrix des Wegesystems mit organischen Szenen die rechtwinklige, fast kartesianische Logik der Bauten. Entsprechend eines Gemäldes von Piet Mondrian werden Relationen und Abkürzungsmöglichkeiten abgebildet, die individuelle Bewegungsradien zulassen. Angegliedert an die Siedlung entstehen zudem ein Einkaufzentrum und eine Kita.

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