the kabbalah centre berlin

Projekttyp: Veranstaltungs- und Schulungsräume

 

Standort: Berlin

 

Zeitraum: 2014-2015

 

Bauherr: Trockland

 

Status: Fertiggestellt

Auf dem Gelände des ehemaligen Postfuhramtes Berlin Schöneberg entsteht in unmittelbarer Nähe des Akazienkiezes aus historischer Bausubstanz und zeitgenössischer Neubebauung ein einzigartiges Wohn- und Gewerbequartier zwischen Hauptstraße und Belziger Straße.
Das aus drei sehr unterschiedlichen Höfen bestehende Ensemble fügt sich perfekt in das belebte Herz Schönebergs ein und wird durch seine öffentliche Durchwegbarkeit zum festen Bestandteil des öffentlichen Raumes. Auf dem Gelände des denkmalgeschützten Postfuhramts, das 1901/1902 von den Architekten Otto Spalding und Luis Ratzeburg entworfen wurde, liegt zwischen dem ersten und zweiten Hof in reich dekorierter Backsteinarchitektur des etwas später entstandenen Quergebäudes ein spektakulärer Saal. Der im dritten Obergeschoss gelegene Raum wurde ursprünglich als Telegrafenvermittlungsstelle genutzt. In diesem circa 7,5 m hohen Raum mit seinen weit oben liegenden großflächigen Fenstern fand das neue Kabbalah Centre Berlin sein zukünftiges Zuhause.

Die Besucher und Gäste betreten das Kabbalah Centre über ein großzügiges Foyer mit voller Raumhöhe, das schon hier den Blick auf die historische Kassettendecke freigibt. Der hohe Saal mit seinem Rhythmus aus Rundbögen wurde von allen zwischenzeitlich errichteten Einbauten befreit und erhält dadurch seine großzügige Hallenwirkung zurück. Die Kassettendecke wurde aufwendig freigelegt, um den weiten Raum in seiner vollen Ausdehnung erlebbar zu machen.

 

Die Idee der architektonischen Intervention ist es, trotz der Notwendigkeit kleiner Räume und intimerer Bereiche, den großartigen Eindruck des Gesamtraumes zu erhalten und aus den verschiedensten Blickwinkeln erlebbar zu machen. Dazu wurde partiell eine zweite, frei im Raum zu schweben scheinende Ebene eingeführt, die an beiden Enden des Raumes über großzügige Treppen erreicht werden kann. Über diese Zwischenetage kommen die Besucher einerseits den Kassettendecken ungeahnt nahe, andererseits werden auf diese Weise viele verschiedene Blickbeziehungen auf die untere Hauptebene ermöglicht. So bleibt die gesamte Raumhöhe im Vortragssaal und insbesondere auch schon beim Betreten des Kabbalah Centres im Eingangsbereich erhalten.
Vom Eingang mit seiner sich großzügig nach oben wendenden Treppe aus führt der Weg vorbei an Schulungsräumen und Büroflächen direkt in den großen Vortragssaal, welcher das Ziel des „Weges“ zu sein scheint. Ein übergroßer Wandspiegel auf der Rückwand erweitert den Raum visuell noch einmal um die doppelte Länge und setzt den Rhythmus der Rundbögen fort.

Hier im Vortragssaal führt eine zweite breite Treppe zur darüber liegenden Ebene, auf der sich die Galerie mit Küche für große Feste und Dinnerveranstaltungen befindet. Hier kann an 10 Tischen mit jeweils 10 Personen gegessen werden, während die großen historischen Fenster den Blick in die beiden angrenzenden Höfe und auf die Architektur Otto Spaldings freigeben.

 

Das Konzept der Architektur übersetzt eine der zentralen Ideen der Lehre der Kabbalah von der stufenweisen Erkenntnis als räumliche Entwicklung entlang eines Weges. Dementsprechend entsteht die Szenografie der Raumfolge aus unterschiedlichen Nutzungen und Raumqualitäten für geschützten und sehr öffentlichen Bedarf – ein endloser Bewegungsraum. Begrüßung und Vortrag erhalten die größte Raumhöhe, während Feste und die bedeutenden Momente des gemeinsamen Essens darüber schwebend Leichtigkeit und weitblickende Freiheit ausstrahlen.
Alle Räume hängen miteinander zusammen. Die Raumgrößen der Schulungsräume und des Vortragssaales sind dabei teilweise flexibel. So können Schulungsräume durch Öffnen raumhoher Vorhänge dem Vortragssaal angegliedert werden. Gleiches gilt für die obere Dinner-Ebene. Hier können kleinere Gesellschaften durch Vorhänge in temporäre Kojen abgeteilt werden.

 

Der gesamte Raum erhält eine durchweg helle Erscheinung, deren Weißtöne sich am Farbspektrum der historischen Substanz orientieren. Nur die gereinigten Kassetten-Dekorationen heben sich in ihren Orange- und Brauntönen davon ab und erzählen sichtbar von der Zeit der Entstehung des Raumes um die Jahrhundertwende. So wird ein weiteres Juwel historischer Baukunst durch neue Nutzung und Rauminterpretation gedanklich und physisch zugänglich und erlebbar.

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