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OPEN STUDIOS AT VILLA MASSIMO: FINAL CELEBRATION AND EXHIBITION

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GRAFT founding partner Lars Krückeberg was selected as one of nine scholarship holders of the German Academy Villa Massimo Rome. The scholarship holders, who started their jobs in September 2018, belong to the elite of German artists and creatives. The residency enables composers, writers, architects and visual artists to find inspiration and new artistic orientation. Visitors of the final celebration had the chance to visit his studio and exhibition on Solstice, Equinox, Meridian and the Equation of time. 

We cordially congratulate Lars to his successful exhibition!

For more information about Villa Massimo and the other scholarship holders, please visit: www.villamassimo.de

Exhibition text (available in German and italian only)

Relativer  Kosmos – fragmentierter Oikos

RaumZeitCollage

Die Menschen haben schon immer nach oben geschaut, um aus den vermeintlichen himmlischen Gesetzen von Bewegung im Weltraum (dem Kosmos) ihren Lebensraum (den Oikos) zu ordnen. Augustus ließ auf dem Campo Marzio eine gewaltige Sonnenuhr als urbanes Konzept planen, um aus den ewigen Regeln der Sonnenbahnen die Legitimation seiner Regentschaft und der Pax Romana für die bekannte Welt abzuleiten. Sonnenuhren funktionieren immer nur lokal und durch die Ekliptik der Erdbewegung und dem Phänomen der Zeitgleiche läuft die wahre Zeit schneller oder langsamer als unsere Uhren im Jahr: unsere Zeit und damit unser Raum ist relativ.

 Dieses Raumzeit-Phänomen wird durch die Installation eines katoptrischen Meridianes – also durch einen Gnomonspiegel reflektierend – und seiner Zeitgleichenabweichung deutlich gemacht. Ein Meridian beschreibt die genaue Achse zwischen Norden und Süden und verankert den Sonnendurchgang aller Tage des Jahres exakt auf sich. Die Raumfigur der Zeitgleiche allerdings zeigt die wahre Bewegung der Erde, die sich je nach Nähe zur Sonne mal schneller oder langsamer dreht und damit die Länge unserer Minuten, Stunden und Tage verändert: die Abweichung der Raumzeit von der globalen Konvention einheitlicher Tage, das Relativieren von vermeintlich ewigen Ordnungsprinzipien, wird so räumlich anschaulich und begreifbar.

Die Wahrheit von Zeit und Raum ist eine Frage der Perspektive.

Ästhetischer ReKonstruktivismus

Die Geschichte der Architektur oszilliert ebenfalls zwischen der Suche nach gültigen Regeln und der Sehnsucht nach künstlerischer Freiheit. Gerade Rom in seiner fragmentierten Ästhetik eines vierdimensionalen Palimpsests fordert bis heute eine persönliche Standortbestimmung zwischen der Regelhaftigkeit eines Winckelmann mit seinem Gebot der Nachahmung idealer Formen und der radikalen Freiheit eines Piranesi, der virtuos das Zerbrochene in einer eigenen Wahrheit neu formiert. In einer zunehmend fraktalen Welt und Gesellschaft fasziniert auch heute der Versuch das vermeintlich Unpassende, Fremde, ja Gegensätzliche im Dienste einer Synthese zu neuer Gestalt und möglichen Wahrheit zu ordnen. So mögen neue, komplexere und adaptierfähige Regeln entstehen um unsere dynamische Gesellschaft, unseren Oikos immer wieder neu zu ordnen.

Works on show:

  • Katoptrischer Meridian 2018/2019
  • Architektonisches Kaleidoskop 2018/2019
  • Rom Model 2018/2019