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BIBLIOLOUNGE

Projekttyp: Möbel

 

Standort: Weltweit

 

Zeitraum: 2008

 

Fotos: hiepler, brunier Fotografie

Als Mosaikformen bezeichnet man in der Evolutionsbiologie Organismen, die Merkmale zweier Gruppen von Lebewesen besitzen. Dabei stehen sie nicht zwangsläufig in gradliniger Beziehung zu diesen beiden Gruppen, es können auch nahe Verwandte davon sein. Mosaikformen werden daher auch als Zwischenformen oder als Übergangsformen bezeichnet. Es handelt sich dabei jedoch um Organismen, die Merkmale von stammesgeschichtlich älteren und stammesgeschichtlich jüngeren biologischen Gruppen in sich vereinen.

 

Die Bibliolongue steht evolutionsgestalterisch betrachtet zwischen den Prinzipien einer orthogonalen und einer Freiformensprache. Innerhalb des Objektes führt die gestalterische Hybris zu einer überraschenden, sinnlichen Erfahrung des Benutzers.

 

In einen aus gebeizten Multiplexplatten auf Gehrung verleimten Rohkörper wird eine, nach den individuellen Körpermaßen des Auftraggebers entwickelte, Sitzschale gefräst. Diese ergonomische Topographie der Sitzschale wird durch die angefahrenen Multiplexschichten betont und deutlich ablesbar. Zur Konservierung der Oberflächen ist eine acht Schichten umfassende Klarlackierung aufgebracht.

 

Die gestalterische Hybris findet sich auch in einer funktionalen Doppeldeutigkeit wieder. Wie der Name andeutet, handelt es sich um die Erfüllung des Wunsches eines begeisterten Lesers inmitten seiner liebsten Schriftstücke seiner Muße nachzugehen. Für GRAFT ist die so möglich gewordenen Bibliolongue quasi das Schnabeltier der eigenen Gestaltungsevolution. Sprachlich wird dem Objekt gemäß der Traditionen der französischen Alltagssprache Rechnung getragen. Aus der „Bibliotheque“ und der „Chaise Longue“ entsteht die Bibliolongue.