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CHARLIE LIVING

Projekttyp: Neubau eines Wohnquartiers mit 243 Mietwohnungen, Gewerbe und Hotel mit Tiefgarage

 

Standort: Zimmerstraße 92-94, 10117 Berlin, Deutschland

 

Jahr: 2017 – 2020

 

Bauherr: Trockland, www.trockland.com

 

Status: Fertiggestellt

 

Größe: 33.100 m² BGF

 

Fotos: GRAFT

Charlie Living ist das größte Neubauprojekt mit überwiegendem Wohnanteil in der Friedrichstadt in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Checkpoint Charlie.

Das offene Ensemble aus vier Neubauten füllt eine der letzten Leerstellen des ehemaligen Mauerstreifens in Berlin Mitte. Der Entwurf von GRAFT kontrastiert mit großer öffentlicher Durchlässigkeit und Zugänglichkeit des Blockinnenbereichs sowie der Anbindung an bestehende Durchwegungen zum benachbarten E-Werk und Hotel an der Mauerstraße die ansonsten geschlossene Blockstruktur der unmittelbaren Umgebung. Im Umfeld des Martin Gropius Bau, des Abgeordnetenhauses, der Gedenkstätte „Topografie des Terrors“ mit seinen originalen Mauerstücken, der Friedrichstraße mit dem Checkpoint Charlie und dem Axel Springer Campus bildet das Ensemble einen neuen lebenswerten Baustein in einem der historisch bedeutendsten Areale Berlins.  Mit einem Wohnungsmix aus 243 2-7 Zimmer-Wohnungen mit Größen zwischen 40 und 300 Quadratmeter und 48 „Serviced Apartments“ bildet das Quartier eines der größten Wohnungsneubauten im Stadtzentrum seit der Internationalen Bauausstellung IBA 1987.

Das Wohnquartier besteht aus drei achtgeschossigen Hauptgebäuden – Häuser A, B und C – und einer Reihe von Stadthäusern im Blockinneren – Haus D -, die leicht gegeneinander geneigt und polygonal modelliert sind und durch einen grünen Innenhof großzügig miteinander verbunden werden. Dieser öffentlich zugängliche Hof bildet eine Oase im belebten historischen Zentrum Berlins und erlaubt jenseits der Straßenräume eine fußläufige Abkürzung durch den Block zur Mauerstraße und zur mittleren Friedrichstraße.

Alle Häuser weisen eine eigenständige Geometrie auf und erhielten ein spezifisches Oberflächen- und Fassadenkonzept, das allen Wohnungen großzügige Loggien oder Balkone als Übergangsbereiche zwischen Innen und Außen anbietet.

 

Haus A beherbergt ein Apartment Hotel mit Lobby und Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss sowie Wohnungen, die hofseitig im Seitenflügel angeordnet sind.

Entlang der Zimmerstraße fällt Haus A durch seine graphitfarbene reliefartige Fassade auf. Über der zwei-geschossigen Sockelzone bilden die auf fünf Etagen verteilten Studio-Apartments zur Straßenfront flache, gegenüber dem Wohnraum leicht erhöhte Erker aus, die sich als Erweiterung des Wohnbereiches in den Straßenraum schieben und aus

denen sich der Blick die Zimmerstraße hinunter bis zum Checkpoint Charlie bietet. Diese Erker treten nach Westen hin zunehmend aus der Fassade hervor, um einen Umlenkpunkt in den Innenhof zu markieren. Da an dieser West-Seite im Bebauungsplan eine Fuge zu einem zukünftigen Nachbarbau vorgesehen ist, konnte der Hauptzugang zum Blockinnenbereich hier „um die Ecke“ an die westliche Seite des Grundstücks verlegt werden. Dadurch wird eine akustische Abschirmung der Hofbereiche bei gleichzeitiger größtmöglicher Offenheit erreicht. Mit seinem Seitenflügel schirmt Haus A die lange Brandwand der Nachbarbebauung im Osten ab und orientiert einen Großteil der Mietwohnungen nach Westen zum grünen Innenhof. Viele dieser Wohnungen profitieren im Umkehrschluss von der Gebäudefuge, die die Nachmittagssonne in den Hof bringt.

 

Im hinteren östlichen Anschluss entstand Haus B, in dem sich Wohnungen mittlerer Größe befinden. Ein hier vor-gestelltes, leicht geneigtes und sich optisch faltendes Balkongerüst erlaubt es, innerhalb der Fassadenstruktur unterschiedlich große Balkone zu realisieren und damit natürlichen Sonnenschutz zu gewährleisten, während in den dunkleren Jahreszeiten die Sonne die Tiefe der Apartments erreicht. Mit seinen ausgestellten markanten Ecken erreicht der sonst sehr stringente Bau seine plastische Wirkung.

 

Haus C löst sich als dritter zentraler Baukörper aus der typologischen Regelhaftigkeit und fällt durch eine unerwartete, verwoben plastische Balkonstruktur auf. Dreieckige Balkonbereiche wechseln alternierend pro Geschoß in der Ausrichtung und schieben damit jedes zweite Geschoß derart aus der Fassade, dass der darüber liegende Balkon zurücktritt und dadurch eher das Gefühl einer Terrasse als eines Balkons entsteht. An den Vertikalen sind Baumtröge eingefügt, um Privatsphäre zwischen den Terrassen zu schaffen. Die Bäume scheinen an der Fassade hinauf zu klettern und setzen den grünen Charakter des Innenhofes an den Außenwänden fort.

 

Das freistehende Gebäude bietet auch an der westlichen Grundstücksgrenze allen Wohnungen eine besonders vorteilhafte Belichtung. Je nach Tageszeit und Lichteinfall schimmert die metallene Fassade mal silbern und mal golden anmutend. Der in diesem Gebäude C befindliche Clubraum mit Freizeiteinrichtungen im Erdgeschoss und eine Dachterrasse stehen allen Bewohnern zur Verfügung.

 

Etwas versteckt im hinteren Bereich des Innenhofs schließt sich Haus D an, das als dreigeschossiger Baukörper sechs Townhouse-ähnliche Wohnungen bietet. Diese mit Frontterrasse, Keller und Garten ausgestatteten Wohnungen sind eine innerstädtische Sonderform von hoher Wohnqualität.

 

Alle Gebäude und Teilbereiche dienen der übergeordneten Idee von öffentlicher Zugänglichkeit und der Aufhebung der strikten Trennung von Wohnhof und öffentlichem Raum. Charlie Living beweist, dass sich diese Qualitäten nicht ausschließen und dass eine exklusive Wohnadresse in zentraler und dennoch ruhiger Lage mit einer der Öffentlichkeit und der urbanen Umgebung zugewandten Durchlässigkeit möglich ist. Vielleicht ein Beispiel für eine neue Identität zukunftsfähiger und lebenswerter Urbanität.

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