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Relativer Kosmos – fragmentierter Oikos

Projekt: Ausstellung

 

Location: Villa Massimo, Rom, Italien

 

Zeit: 2019

 

Künstler:  Lars Krückeberg

 

Foto: © Lars Krückeberg

RaumZeitCollage

Die Menschen haben schon immer nach oben geschaut, um aus den vermeintlichen himmlischen Gesetzen von Bewegung im Weltraum (dem Kosmos) ihren Lebensraum (den Oikos) zu ordnen. Augustus ließ auf dem Campo Marzio eine gewaltige Sonnenuhr als urbanes Konzept planen, um aus den ewigen Regeln der Sonnenbahnen die Legitimation seiner Regentschaft und der Pax Romana für die bekannte Welt abzuleiten. Sonnenuhren funktionieren immer nur lokal und durch die Ekliptik der Erdbewegung und dem Phänomen der Zeitgleiche läuft die wahre Zeit schneller oder langsamer als unsere Uhren im Jahr: unsere Zeit und damit unser Raum ist relativ.

 

Dieses Raumzeit-Phänomen wird durch die Installation eines katoptrischen Meridianes – also durch einen Gnomonspiegel reflektierend – und seiner Zeitgleichenabweichung deutlich gemacht. Ein Meridian beschreibt die genaue Achse zwischen Norden und Süden und verankert den Sonnendurchgang aller Tage des Jahres exakt auf sich. Die Raumfigur der Zeitgleiche allerdings zeigt die wahre Bewegung der Erde, die sich je nach Nähe zur Sonne mal schneller oder langsamer dreht und damit die Länge unserer Minuten, Stunden und Tage verändert: die Abweichung der Raumzeit von der globalen Konvention einheitlicher Tage, das Relativieren von vermeintlich ewigen Ordnungsprinzipien, wird so räumlich anschaulich und begreifbar.

Die Wahrheit von Zeit und Raum ist eine Frage der Perspektive.

 

Ästhetischer ReKonstruktivismus

Die Geschichte der Architektur oszilliert ebenfalls zwischen der Suche nach gültigen Regeln und der Sehnsucht nach künstlerischer Freiheit. Gerade Rom in seiner fragmentierten Ästhetik eines vierdimensionalen Palimpsests fordert bis heute eine persönliche Standortbestimmung zwischen der Regelhaftigkeit eines Winckelmann mit seinem Gebot der Nachahmung idealer Formen und der radikalen Freiheit eines Piranesi, der virtuos das Zerbrochene in einer eigenen Wahrheit neu formiert. In einer zunehmend fraktalen Welt und Gesellschaft fasziniert auch heute der Versuch das vermeintlich Unpassende, Fremde, ja Gegensätzliche im Dienste einer Synthese zu neuer Gestalt und möglichen Wahrheit zu ordnen. So mögen neue, komplexere und adaptierfähige Regeln entstehen um unsere dynamische Gesellschaft, unseren Oikos immer wieder neu zu ordnen.

Präsentierte Arbeiten:

Katoptrischer Meridian 2018/21019

Architektonisches Kaleidoskop 2018/2019

Rom Model 2018/2019

Für weitere Infos und Bildmaterial besuchen Sie bitte >> graft.official